Danke, Dani Levy!

Über die Wortmeldungen in den Medien zum Film "Mein Führer"

Überschriften wie "Helge Schneider findet seinen Hitler Film doof " und "Helge Schneider distanziert sich von seinem Film" waren in der ersten Januarwoche überall zu lesen, und der Beginn einer Welle an Meinungsäusserungen zum Film.

Das ist Helges Position:
Er unterstützt Dani Levy bei seinem Projekt den Film zu machen und steht hinter dem Anliegen und zu seiner Rolle als Hitler. Aber er übt künstlerische Kritik am fertigen Film. Dabei geht es auch um Szenen, die nicht im fertigen Film drin sind und dem Werk einen stärkeren Gegenwartsbezug verliehen hätten. Helge: „Es ist...Dani Levys Film. Als Regisseur ist es auch sein Recht, Szenen umzuschneiden. Aber das darf ich ja dann wiederum kritisieren.” Und es geht um unterschiedliche Humorauffassungen. Helge: "Ich schreibe niemanden vor, worüber er zu lachen hat.”
Am Ende zeigte er sich genervt von dem Rummel um den Film, gab vernehmbar zu Protokoll "Und ausserdem will ich von dem Hitler-Quatsch nix mehr hören..."
Und: "Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein auf der Bühne, meine Shows zu machen, mein eigentliches Leben weiterzuführen. Ich will die Menschen mit Komik und Musik zum Lachen bringen."

Dani Levy meldet sich am 20.1. in der Welt am Sonntag zu Wort und schreibt an die Kinobesucher. Er kritisiert die Kritik der professionellen Filmkritik an dem Film und stellt fest: "Ich befürchte, die meinungsbildenden Autoren und Autorinnen haben es vor allem geschafft, Ihnen die Lust am Selberschauen zu nehmen." Zur Kritik von Helge an dem Film äussert er sich nicht.

Eine ausführliche Auswahl des Presseechos zum Film gibt es in diesem Fanforum.

Als erstes verweisen wir hier auf Sophie Albers in der Netzzeitung, die unter der Überschrift "Danke, Dani Levy!" sich hinter den Regisseur stellt.

Leute, die immer etwas sagen, haben etwas gesagt, egal, ob sie den Film kannten oder nicht: Lea Rosh, Rolf Hochhuth. Der Historiker Hans-Ulrich Wehler hat gar dazu aufgerufen, das Thema Hitler der Wissenschaft zu überlassen.

Nicht wirklich verständlich ist der Kommentar von Stephan J. Karmer vom Zentralrat der Juden in Deutschland im Tagesspiegel, der den Film für "überflüssig und sogar gefährlich" hält, aber gleichzeitig feststellt "Freilich müssen Mystifizierung und Dämonisierung der Nazi-Diktatur aufgebrochen werden". Das genau gelingt dem Film zweifelsfrei.
In der Sendung TV Total erwiederte Helge auf die Kritik: "Über Hitler darf man lachen, das ist doch ganz klar, über den Holocaust kann man nicht lachen." In den Stuttgarter Nachrichten erklärt er. "Man verharmlost etwas, wenn man nicht darüber redet, es durch Gesetze kaltstellt und den Menschen verbietet nachzudenken."

Eher kurios der Sender RTL & der Stern, die via Forsa-Umfrage meinen ermittelt zu haben, dass 56% der Deutschen über eine Hitler -Komödie nicht lachen können. Die Umfrage fand eine Woche vor Kinostart statt! Die Zustimmung zum Film wäre damit höher als die für Frau Merkel...

Beispielhaft für die vielen Interviews von Helge:

Ein Statement gegenüber der WAZ zum Rummel um den Film und seine Rolle als Hitler, ein Gespräch mit "Die Welt" und ein Interview in der Magazinbeilage Sie+Er des Schweizer Sonntagsblick

WAZ
Natürlich distanziere ich mich nicht von dem Film.

Von Michael Vaupel
Essen. Noch ist die Hitler-Filmsatire „Mein Führer” von Regisseur Dani Levy, die am 9. Januar Welturaufführung im Essener Kino Lichtburg hat, gar nicht angelaufen, da gibt es schon helle Aufregung. Und zwar um Helge Schneider, der Hitler spielt.

Schneider distanziere sich von dem Film, hieß es, er bemängele, dass der Film im Nachhinein verändert worden sei. „Es geht nur noch darum, wie Hitler gesehen werden soll: nämlich als Schwächling. Das ist mir zu profan”, so wird der Mülheimer Komiker und Musiker aus einem Interview zitiert, das er der Schweizer Boulevardzeitung „Sonntagsblick” gab.

Im Gespräch mit der WAZ stellte Helge Schneider jetzt klar: „Natürlich distanziere ich mich nicht von dem Film. Und ich gehe auch zur Premiere. Aber ich habe auch das Recht zu kritisieren, wenn mir an dem gesamten Projekt und seiner Vermarktung etwas nicht gefällt.” Zum Beispiel könnte der Eindruck entstehen, dass in „Mein Führer” Helge Schneider als Komiker im Vordergrund stehe. Schneider: „Ich finde nicht, dass ich in der Hitler-Rolle lustig bin.”

Ärgerlich findet er, dass „Mein Führer” in den Medienberichten nach und nach zu einem Helge-Schneider-Film aufgeblasen worden sei. „Es ist nicht mein Film”, betont Schneider, „sondern Dani Levys Film. Als Regisseur ist es auch sein Recht, Szenen umzuschneiden. Aber das darf ich ja dann wiederum kritisieren.”

Übrigens ist Schneider tatsächlich nur eine zentrale Figur des Films. Die andere ist Ulrich Mühe, der den jüdischen Schauspieler Grünbaum darstellt, der Hitler für eine Rede trainieren soll. Die Geschichte in „Mein Führer” wird denn auch aus Grünbaums Sicht erzählt. Der ganze Rummel, der um den Film gemacht werde, gehe ihm „auf die Nerven”, sagt Schneider. Und er habe den Eindruck, „als werde ich als einziger ins Rennen geschickt.” Stefan Arndt, Produzent von „Mein Führer”, begründet das damit, dass Schneider die Rolle „unglaublich gut” spiele.
Schneider sagt, er habe so viele Fragen von Journalisten beantwortet, dass er einfach „keinen Bock mehr” habe: „Da kommen die merkwürdigsten Fragen wie: waren Ihre Verwandten in der NSDAP?”
Quelle WAZ vom 5.1.2007

In einem am 11.1.07 in den Stuttgarter Nachrichten veröffentlichen Interview äussert Helge sich zum Vorwurf der Verharmlosung:

Verharmlost man die Sachen nicht, indem man sich darüber lustig macht?
Im Gegenteil. Klar gibt es Leute, die sich über andere lustig machen, weil sie irgendwelche Schwächen haben. Ich weiß nicht, ob das Verharmlosung ist. Wenn ich Hitler spiele, dann mache ich mich höchstens über mich selbst lustig. Das wirkt dann amüsant, schmackhaft, vielleicht identifiziert man sich sogar damit und findet das gut. Man verharmlost etwas, wenn man nicht darüber redet, es durch Gesetze kaltstellt und den Menschen verbietet nachzudenken.

In der Welt vom 5.1.2007 äussert sich Helge zur Arbeit mit Dani Levy und das Verhältnis Hauptdarsteller-Regisseur. Das gesamte Gespräch ist bei Welt.de nachzulesen, wo der Film ausführlich besprochen und diskutiert wird

Unter anderem gibt es ein Portrait von Torsten Thissen.

WELT.de: Sie wollten aber auch nicht mit Dani Levy über Änderungen am Film diskutieren?

Schneider: Nö. Das bringt nix. Das geht nicht.

WELT.de: Würden Sie als Regisseur auch nicht zulassen?

Schneider: Genau. So muss man das sehen. Wenn Dani sich den Film ausgedacht hat und ich spiele da eine Rolle, habe ich gar kleinen Überblick. Und wenn etwas nicht glaubwürdig ist, dann kann man das auch nicht überhöhen, dann greift, dann er-greift das nicht.

WELT.de: Entschuldigung, aber das klingt wie die Klischee-Ausrede aller Nazi-Mitläufer: Ich habe ja nur gespielt?

Schneider: Naja, das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Ich finde die Frage völlig fehl am Platz. Ich habe Hitler dargestellt für einen jüdischen Regisseur, dem ich mich anvertraut habe. Und was er daraus macht, dazu brauch ich eigentlich gar nicht gefragt zu werden. Nicht wie ich den Film finde und nicht, was daraus geworden ist. Wenn ein Regisseur einen Film dreht, kann der Darsteller doch nicht sagen: Ich stehe und falle mit ihm. Das ist doch völlig absurd.

Auslöser der Aufregung ist ein Interview, welches Helge der Journalistin Stefanie Ringel gab. Frau Ringel war am 17.12.06 in Mülheim bei einem Helge- Konzert und interviewte ihn am 18.12.06 für die Magazinbeilage Sie+Er der Schweizer Zeitung Sonntagsblick. Silvester 2006 erschien dort nachfolgendes, autorisiertes Interview:

Helge Schneider
Will vom Hitler-Quatsch nichts mehr hören

Dass ausgerechnet Helge Schneider in Dani Levys Film Adolf Hitler spielt, hat Schlagzeilen gemacht. Doch schon vor der Premiere will der Komiker von dem Film nichts mehr wissen. Lieber spielt er auf seiner neusten Tournee sich selbst. Denn auf der Bühne ist er zu Hause, da führt er sein eigentliches Leben

Mülheim an der Ruhr (D). Helge Schneider geht auf Tournee. Doch vor dem Start von «I brake together» schenkt er seiner Heimatstadt ein inoffizielles Eröffnungskonzert. Der Saal tobt.
Danach feiert die Band backstage. Hobbykellerambiente. Auf der Anrichte stehen Käse- und Wurstplatten mit Gürkchen als Verzierung, selbst gemachte Salate. Hunde schleichen, Kinder lachen, Freunde beglückwünschen.
Den Absacker nehmen die Musiker – wie immer – in der Bar des altehrwürdigen Hotel Handelshof. Da, wo sie wohnen – wie immer. Helge Schneider sitzt am Tresen: «Einen Portwein und ein Glas Wasser, bitte.»
Sie+Er: Sind Sie Musiker oder Komiker?
Schneider: Ein komischer Musiker. Es gibt niemanden, der noch so was macht wie ich. In der Schweiz gabs mal den Clown Grock. Der ist, seit ich Kind war, mein grösstes Vorbild. Er spielte hervorragend Klavier und Geige und Konzertina. Ich hätte mir gewünscht, so artistisch zu sein, wie er.

Sie+Er: Sie spielen immerhin Klavier, Orgel, Saxofon, Cello, Kontrabass, Trompete ...?

Schneider: ...Schon. Und trotzdem. Bei einem Konzert in den 30er-Jahren in Paris spielt Grock eine halbe Stunde klassisch Klavier. Da denkste: Ja was ist denn jetzt? Auf einmal rast der Stuhl zehn Meter hoch und er fliegt weg. Völlig absurd. In seiner Autobiografie redet er zum Beispiel nur über Autos. Das ist so total im Land der Fantasie angesiedelt, so individuell bis zum Geht-nichtmehr. Die Welt braucht solche Idole und die gibts fast nicht mehr.

Sie+Er: Wollen Sie Idol sein?

Schneider: Ich bin eins dieser Idole. Übrig geblieben aus einer anderen Zeit. Denn auf meine Art bin ich konservativ, was meine Kunst angeht. Ich bin ein Pianist, der sein Instrument beherrscht. Ich kann spielen, wenn ich das will. So was ist völlig ausgestorben! Die Musik wird doch immer unperfekter, immer doofer.

Sie+Er: Was zeichnet denn ein Idol aus?

Schneider: Perfektion, Liebe zur Sache. Liebe zu den Menschen – das vor allem.

Sie+Er: Wann haben Sie gespürt: Jetzt bin ich ein Idol?

Schneider: Mmmhhh, das kann ich nicht genau sagen. Ich habe das einfach entschieden. Das was ich mache, ist idolfähig.

Sie+Er: Ein Idol, das über Katzenklos oder wie neuerdings über Käsebrote singt?

Schneider: Hören Sie mal die Texte der englischen Lieder in der Hitparade – die sind ja so banal und so affenartig blöd. «... Du hast mich verlassen ... ich weine ...» Das ist doch zu wenig! Mit Katzenklo oder Käsebrot entführe ich ins Reich der Fantasie! Die Leute brauchen doch ein bisschen Spass.
Zum wiederholten Mal Handygebimmel. «Ich gebe gerade Interviews. Ich muss gleich anrufen. Wiedersehn», sagt er in der bekannten Helge-Schneider-Katzenklo-Stimme. «So, jetzt mach ich aus, das ist ja kein Zustand.»

Sie+Er: Warum haben Sie sich dann entschieden, einen der grössten Verbrecher der Menschheit zu spielen: Hitler im Film «Mein Führer. Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler»?

Schneider: Der Regisseur Dani Levy hat angerufen und gesagt: «Ich fänd es toll, wenn du das machst.» Dann hab ich gesagt: «Ja gut, ich les das Drehbuch» und hab mich danach entschieden, mitzumachen.

Sie+Er: Schnelle Entscheidung.

Schneider: Die Rolle ist mir nun mal auf den Leib geschrieben. Kann ich auch nix für.

Sie+Er: Wieso?

Schneider: Ich kann den sehr gut nachmachen.

Sie+Er: Machen Sie mal?

Schneider: Nee, das will ich nicht mehr. Das Kapitel ist jetzt abgeschlossen. Ich hätte mir gewünscht, dass der Film anders wird.

Sie+Er: Wie denn?

Schneider: Ich hätte mir mehr Adolf Hitler gewünscht. Gewünscht, ihn ausführlicher zu zeigen und nicht so in kleine Szenen zu zerschnippeln, zu reduzieren. Die Geschichte kam mir zwar aufgrund des Drehbuchs schon, na ja, ein bisschen mau vor. Aber dann hab ich gedacht: Auf jeden Fall reisst der Film irgendwas auf.

Sie+Er: Aber?

Schneider: Beim Schnitt ist die Aussage der Geschichte im Nachhinein verändert worden. Jetzt gefällt mir der Film nicht mehr, weil er nichts mehr aufreisst. Ich bin davon nicht mehr überzeugt, kann über diesen Hitler nicht lachen. Dass der Film so anders wird, hätte ich nicht gedacht.

Sie+Er: Was stört Sie?

Schneider: Der Fokus war ursprünglich auf Hitler. Jetzt ist er mit aller Gewalt auf der jüdischen Geschichte. Es geht nur noch darum, wie Hitler gesehen werden soll: Nämlich als Schwächling. Das ist mir zu profan. Hätte ich das gewusst, dann hätte ich vielleicht gar nicht mitgespielt. Jetzt soll ich für den Film als einziger Reklame laufen, hab ich das Gefühl. Damit höre ich jetzt auf. Ich kann darauf verzichten, so einen Film noch mal zu machen.

Sie+Er: Haben Sie nie daran gedacht, während der Dreharbeiten aufzuhören?
Schneider: Nee, das wusste ich ja zu dem Zeitpunkt gar nicht. Es ist auch kein schlechter Film. Bloss ein anderer.

Sie+Er: Haben Sie manchmal ein leises Gefühl der Macht verspürt, wenn die Statisten «Heil Hitler» skandierten?

Schneider: Beim besten Willen habe ich kein Gefühl der Macht, wenn ich eine Rolle spiele und weiss: Die Maske leidet, wenn ich in der Mittagspause esse, es sei denn ich begnüge mich mit Suppe, die ich durch einen Strohhalm trinke. Und ausserdem will ich von dem Hitler-Quatsch nix mehr hören. Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein auf der Bühne, meine Shows zu machen, mein eigentliches Leben weiterzuführen. Ich will die Menschen mit Komik und Musik zum Lachen bringen.